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Filmemacher Sönke Wortmann hatte Jürgen Klinsmann und die deutsche Nationalmannschaft vor und während der Fußball-Weltmeisterschaft hautnah mit der Kamera begleitet. 100 Stunden Aufnahmen in der Kabine, beim Geheimtraining, im Massageraum sind entstanden. „Es gab keine Tabus.“

© Alle Zitate stammen aus dem Tagebuch
"Deutschland - Ein Sommermärchen" von Sönke Wortmann

 

 

Ob im Mannschaftsbus, auf dem Hotelzimmer oder beim Geheimtraining:
Sönke Wortmann durfte überall filmen.

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"Nach der Ankunft im Berliner Schlosshotel besuchte uns Angela Merkel. Sie begann ihre Ansprache, sagte, die Spieler sollen sich nicht nervös machen lassen, als Torsten Frings unter Gelächter verspätet den Raum betrat. Er ging auf Merkel zu, brummte "Tschuldigung", schüttelte ihr die Hand und setzte sich. Das haut einen Nationalspieler nicht um, wenn da der König oder die Königin steht. Sie sind es gewohnt, mit Prominenz und Öffentlichkeit zu leben. Sie sind gelassen. Auch in schweren Momenten. Wie Michael Ballack vor dem Spiel gegen Costa Rica. Er glaubte, spielen zu können. Die Trainer jedoch wollten ihn schonen. Eröffnungsspiel, 1,5 Milliarden Zuschauer - und du bist nicht dabei. Als ich mit ihm sprach, lag er im Bett und antwortete offen. "Das ist Scheiße", sagte er, aber er lächelte dabei."


"Es gibt auch einige Szenen im Film, die Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski gedreht haben. Da erscheint
dann im Bild unten "Schweini-Cam" oder "Poldi-Cam". Die Spieler waren sehr interessiert an dem, was ich da mache, und haben immer mal wieder gesagt: "Lass mich auch mal." Ursprünglich wollte ich sogar eine dritte Kamera für die Jungs mitnehmen, das habe ich aber dann verworfen, weil ich selbst nah genug dran war. Die Trainer hätten das aus pädagogischen Gründen unterstützt, zur Abwechslung und Weiterbildung, sogar ein Kamerakurs war kurz im Gespräch."

 

 


"Poldi und Schweini im Bett. Die beiden waren begeistert von der Kamera und machten jeden Spaß mit. Einmal schlich ich sogar mit Schweinsteiger in Podolskis Zimmer. Am Tag davor, gegen Ecuador, hatte Poldi sein erstes Tor geschossen, Schweini sollte ihn nun wecken und sagen, dass das nur ein Traum gewesen sei und es jetzt ins Stadion ginge. Aber Podolski war viel zu verschlafen, um sich darauf einzulassen."

 

"Nachdem sich Philipp Lahm beim Freundschaftsspiel gegen Luckenwalde verletzt hatte, herrschte im Trainingslager auf Sardinien ein Hauch von Untergangsstimmung. Ich habe Klinsmann nie so niedergeschlagen gesehen. Philipp verkörperte wie kaum ein anderer Klinsmanns Philosophie vom offensiven Fußball. Und die Diagnosen sahen so aus, dass er die Vorrunde nicht spielen kann. Ich war erstaunt, wie entspannt Philipp trotzdem bei diesem Interview war. Man merkt richtig, wie er sich auf die WM freut. Er ist ein Sonnenkind. Vor dem Argentinien-Spiel, bevor es aufs Feld ging, stand er im Gang und pfiff. Ein WM-Klassiker, es geht um alles, und er steht da und flötet!"


"Ich fand es einfach grandios, dass gerade Philipp Lahm schon nach sechs Minuten traf, bei dem es wegen seiner Verletzung lange so ausgesehen hatte, als ob er gar nicht spielen könnte. Ich fand es sogar so grandios, dass ich vor lauter Jubel zu filmen vergaß.
Es war für mich ein generelles Problem, dass ich als Mitglied des Teams auch jubeln wollte, es aber gleichzeitig meine Aufgabe war, die anderen beim Jubeln zu zeigen."

 








"Für mich war es der größte Moment bei der Weltmeisterschaft, als Oliver Neuville das 1:0 gegen Polen schoss. Die Mannschaft hatte dieses Siegtor erzwungen, sie hatte besessen dafür gearbeitet, sie wollte unbedingt gewinnen."

 

 

 

 


Dass der junge Odonkor auf der rechten Seite den Gegner überrannte und mit Olive Neuville ein weiterer Einwechselspieler traf, machte den Sieg so wertvoll. Wie er gewollt und wie er geschafft wurde, adelte diesen 1:0 Sieg, der sonst eigentlich der unspektakulärste aller Siege ist.

Ich kann mich jedenfalls an kein großartigeres 1:0 erinnern.

 

 

"Wir sahen auf unseren Fahrten zum Training oder zu den Spielen, dass überall an den Autos die kleinen Deutschland- Fähnchen auftauchten. Wir ahnten auch, dass die Leute diese Mannschaft gut fanden und bereit waren, von ihr auf eine emotionale Reise mitgenommen zu werden.

Nach der magischen Nacht gegen Polen sprach Klinsmann von einem Schulterschluss zwischen Mannschaft und Fans, aber jenseits der Spiele kam die Stimmung im Land trotzdem sehr vermittelt an.
Es war, als hätten wir auf Reisen in Südafrika oder Australien die Bilder aus Deutschland gesehen und gedacht: Mensch, zu Hause ist ja ganz schön was los!"

 

 

"Miro Klose beim Haareschneiden. Ich habe innerlich gejauchzt, als ich das im Kasten hatte. Regisseure sind ja genauso abergläubisch wie Fußballer. Ich hatte beschlossen, mir vor jedem entscheidenden Spiel die Haare ein wenig schneiden zu lassen. Sie dem Fußballgott zu opfern. Miro sah das, es gefiel ihm, und er sagte, dass er auch mal wieder dran sei. Die Frau in dieser Szene ist meine eigene Friseurin, Anne-Marie McMon-agle. Miro fragte, ob sie auch ins Hotel kommen würde; das hat sie sehr gefreut. Dass ich das Ganze filme, war für ihn überhaupt kein Problem. Miro hatte so ein großes Selbstbewusstsein und war sehr gut drauf, da machst du alles mit."

 

"Traineransprache vor dem Spiel gegen Ecuador. Noch einmal motivieren. Das kenne ich aus meiner Zeit als Fußballer. Ich hatte verschiedene Trainer, die einen konnten das, die anderen nicht. Dass Jürgen das kann, hatte ich von Anfang an erwartet. Bei ihm wirkte das alles noch eine Nummer größer, weil er ja seinen eigenen Mythos mitbrachte:
Weltmeister, Europameister, Inter Mailand, Tottenham Hotspurs. Hier war er besonders massiv, weil es das letzte Gruppenspiel war und es eigentlich um nicht mehr viel ging. Er wollte allen klarmachen, dass das kein Grund ist, nicht alles zu geben: "Wer hier nicht mitmacht", sagte er, "ist nach 20 Minuten wieder draußen!"

 

"Oliver Neuville bei der Dopingkontrolle nach dem letzten Vorrundenspiel gegen Ecuador. Ich musste ihn gar nicht fragen, ob ich filmen darf, weil wir längst einen Punkt erreicht hatten, wo ich immer dabei sein durfte. Er brauchte knapp eine halbe Stunde, bis er endlich den Becher gefüllt hatte. Unter Spannung will der Körper halt nicht so, und dass ein Fifa-Offizieller neben dir steht, erleichtert die Sache auch nicht gerade. Zum Glück hatte Oliver nur 20 Minuten gespielt. Das geht dann schneller als bei einem, der durchgespielt hat. Sonst hätte ich da vielleicht den ganzen Abend gesessen. "

 

 

"Einen muss Jens Lehmann noch halten, dann ist Argentinien besiegt und wir sind im Halbfinale. Arm in Arm stehen die Spieler im Anstoßkreis, die Zuschauer auf den Rängen und wir am Seitenrand. Meine Arme liegen auf den Schultern von Harald Stenger und Flavio Battisti, die Kamera liegt irgendwo herum. Ist sie eigentlich noch auf der Ersatzbank? Ist sie schon geklaut? Egal. Jetzt bin ich nicht mehr Dokumentarfilmer.

In diesem Moment ist es wichtiger, dass ich meine Energie darauf konzentriere, dass die richtigen Elfmeter ins Tor gehen und die anderen nicht"

 

"Wenn Jens den nächsten Schuss abwehrt, sind wir durch. Ahnt Cambiasso schon etwas? Er läuft an und schießt mit links. Der Ball fliegt halbhoch nach rechts und Jens springt. Er hat ihn, wir reißen die Arme hoch und rennen los. Wir sind im Halbfinale.

Und ich mitten in dem Traum, den gerade Millionen in Deutschland träumen.

Ich laufe auf die Traube von Spielern zu und während ich renne frage ich mich, was ich hier eigentlich mache. Beim Viertelfinale der Weltmeisterschaft, auf dem Rasen des Olympiastadions von Berlin, unterwegs zum Helden des Spiels.

Jens Lehmann stiert apathisch auf den Rasen. Er jubelt nicht und lacht nicht, er ist in einer anderen Welt. Er steht einfach nur da und als ich ihn anschaue, fällt es mir wieder ein. Ich laufe zurück, um meine Kamera zu holen. Zum Glück ist sie noch da und ich drehe so viel, wie es geht."

"Ich weiß nicht, was ich in dieser Situation am liebsten gemacht hätte. Abhauen? Wegfahren? Hilft auch nichts: Deutschland war gegen Italien im Halbfinale ausgeschieden, und ich stand zwischen den niedergeschlagenen Spielern in der Kabine: Ballack versteckte sich hinter seinem Handtuch, Bierhoff starrte an die Decke, Lehmann auf den Boden. Und in mir war nur eine große Leere, keine Energie, aber ich musste mich zwingen, jetzt zu drehen. Mir war klar, dass das ein entscheidender Augenblick des Films ist. Ich hatte ein schlechtes Gewissen beim Drehen und rechnete damit, dass nun zum ersten Mal ein Spieler sagen wird: "Jetzt mach das Ding mal aus." Aber keiner sagte etwas. Vielleicht haben sie mich gar nicht wahrgenommen. Aber ich glaube, es war ein Zeichen von Größe."

"Offiziell war die Ansage, dass mein Film nur ins Kino kommt, wenn Deutschland das Halbfinale erreicht. Ich persönlich war mir erst bei dieser Szene sicher, dass er Kinoqualität hat. Der Tag vor dem Spiel um Platz drei gegen Portugal, wir kamen in Stuttgart im Hotel an, und vor dem Gebäude standen 7000 Menschen und jubelten den Spielern zu. Als Erster ging David Odonkor ans Fenster und winkte. Das Ganze war unglaublich. Ein Gänsehaut-Augenblick. Und ein weiterer folgte am nächsten Tag: Oliver Kahn sitzt nach dem Sieg in der Umkleidekabine vor dem Fernseher und sieht ein Interview, in dem Klinsmann über Kahns Rücktritt spricht. Kahn sitzt da und schweigt einfach nur. Ein absoluter Kinomoment."

 

 

"Auch Jürgen Klinsmann hat mal gedreht - und zwar ausgerechnet mich. Aber ich wollte in dem Film nicht auftauchen, deshalb habe ich diese Szene auch herausgeschnitten. Nach dem Sieg gegen Portugal waren alle ausgelassen, alle feierten. Ich legte spontan meine Kamera beiseite und bedankte mich auf meine Weise bei Jürgen, Oliver Bierhoff, Andi Köpke und Jogi Löw für die wunderbaren Wochen. Plötzlich schnappte sich Jürgen das Gerät und filmte das. Als er sie mir zurückgab, sagte er in die Kamera: "Von meinem nächsten Taschengeld kaufe ich mir auch so eine."

  

"Die letzten Stunden am Brandenburger Tor rauschten wie im Traum an mir vorbei. Ich merkte gar nicht, dass ich jetzt plötzlich auf der Bühne stand und nicht mehr im Hintergrund. Dass da hinter mir eine Million Menschen waren, nahm ich billigend in Kauf. Das Erstaunliche: Als nach dem Portugal-Spiel die 25000 Fans vorm Stuttgarter Hotel standen, war das irgendwie eindrucksvoller, weil die nicht so irreal wirkten wie die eine Million. Als Kinoregisseur, der vom Vorabend noch einen leichten Kater hatte, dachte ich in dem Moment: Das kann nur ein Spezialeffekt sein."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

 

 

 

     
 
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