Trotz der
Finalniederlage feiert die deutsche Nationalmannschaft in Berlin mit
ihren Fans - Metzelder: "Wir können stolz auf uns sein".
Auch
Bastian Schweinsteigers trug das T-Shirt, das sich alle
Nationalspieler übergestreift hatten. Die Aufschrift darauf
symbolisierte die Grundhaltung der deutschen Mannschaft: "So gehen die
Deutschen", nämlich: aufrecht und erhobenen Hauptes. Die Tränen vom
Vorabend waren getrocknet, als sich die Mannschaft nach dem 0:1 (0:1)
im EM-Finale gegen Spanien am Montagnachmittag am Brandenburger Tor
von ihren Fans verabschiedete.
Ihre
Müdigkeit ließen sich die Spieler bei ihrem letzten Auftritt während
der "Bergtour 2008" nicht anmerken, Stürmer Lukas Podolski schnappte
sich das Mikrofon und stimmte mit den Fans sogar sein berühmtes "Humba,
tätärä" an. Von Erschöpfung keine Spur. Denn trotz des verloren
gegangenen Endspiels hatten sie in Wien die Nacht zum Tag gemacht und
im Nobelclub "Phönix" bis in die Morgenstunden gefeiert. Mit ihren
Frauen und Freundinnen, der Führung des Deutschen Fußball-Bundes und
allen Betreuern, mit denen sie in vergangenen 45 Tagen zusammen
unterwegs waren. Die Stimmung war erst gedämpft, wurde aber von Stunde
zu Stunde und mit jedem weiteren Tropfen Alkohol besser. Als Letzte
kehrten Torsten Frings und Per Mertesacker 7.30 Uhr ins Teamhotel
zurück.
Der erste
Frust über die Niederlage gegen die Spanier, die trotz der
leidenschaftlichen, aber ideenlosen Bemühungen um den Ausgleich in der
zweiten Hälfte berechtigt war, war vorüber. Unter dem Strich muss die
deutsche Nationalelf mit dem zweiten Platz zufrieden sein. Kurzzeitig
hatte, wie bei den vorangegangenen Turnieren 2000 und 2004, sogar das
Aus nach der Vorrunde gedroht. Nach den Siegen über Portugal und die
Türkei (jeweils 3:2) wurden der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes
im Finale ihre Grenzen aufgezeigt.
"Die
Spanier haben in ihrem Spiel nach vorn eine viel höhere Qualität
entwickelt als wir", räumte Christoph Metzelder ein und resümierte im
Hinblick auf den Turnierverlauf: "Wir können trotz der Niederlage im
Finale stolz auf uns sein. Allerdings haben wir es nicht geschafft,
den Schwung zu kreieren, mit dem wir 2006 bei der Weltmeisterschaft in
die Spiele gegangen sind."
Diesmal
spielte die deutsche Auswahl nicht konstant genug. Kritiker
attestierten ihr mit zunehmendem Turnierverlauf "zwei Gesichter". Sie
spielte souverän wie zum Auftakt des Turniers gegen Polen (2:0) und im
Viertelfinale gegen Portugal - oder aber von Glück beseelt und wenig
überzeugend wie gegen Österreich (1:0) oder die Türkei.
Auch wenn
es am Ende der "Bergtour 2008" nicht gelang, den Gipfel zu erklimmen,
zeigte sich der Bundestrainer zufrieden. Joachim Löw befand, dass die
Mannschaft Großartiges geleistet habe. Er lobte den Spaß und die
Freude, mit denen die Spieler an die Arbeit gegangen waren, ihren
Ehrgeiz und den respektvollen Umgang. In den kommenden Tagen will sich
Löw nun an die Analyse des Turniers machen. Eines sei schon jetzt
klar: "Wenn man die letzten beiden Jahre nimmt, haben wir eine gute
Entwicklung genommen. Wir sind ganz vorn angekommen und in der Spitze
Europas und der Welt vertreten", sagte Löw. Nun sei es wichtig, trotz
aller Enttäuschung keine Kraft und Energie zu verlieren, um weiter
hart arbeiten zu können. "Wir wollen jetzt alles dafür tun", fuhr Löw
fort, "um auch in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2010 in
Südafrika eine gute Rolle zu spielen."
Nach dem
ersten Moment der Enttäuschung war Löw am Sonntagabend auf dem Rasen
des Wiener Ernst-Happel-Stadions von Spieler zu Spieler gegangen. Er
hatte tröstende Worte gefunden. Auch für Schweinsteiger, der weinend
auf dem Rasen gelegen hatte. "Ich habe mich bei jedem einzelnen für
seinen Einsatz bedankt", sagte Löw, der trotz aller Emotionen schon zu
einer Erkenntnis gekommen ist: "Wir haben nicht immer die ganz hohe
spielerische Qualität abgerufen."
Insbesondere im letzten Spiel bei dieser EM, wo die Mannschaft
lediglich viermal aufs gegnerische Tor schoss - die Spanier 13-mal.
"Wir waren nicht gefährlich genug", sagte Torsten Frings, "aber wir
standen immerhin im EM-Endspiel und lassen uns das ganze Turnier nur
wegen dieser Niederlage jetzt nicht schlecht reden." Allerdings räumte
der defensive Mittelfeldspieler auch ein: "Wir müssen uns in allen
Bereichen verbessern."
Auf jeden
Fall gilt Schweinsteigers Versprechen: "Wir werden alles tun, so
schnell wie möglich mit einem Pokal am Brandenburger Tor
aufzukreuzen."
Jens Lehmann steht auf der Torlinie, ganz gerade, so als würde er einen
Elfmeter erwarten. Aber es kommt kein Schuss, kein Stürmer läuft auf ihn zu.
Lehmann steht nur reglos da und schaut in die Ferne, wo ein paar
Feuerwerkskörper knallen und Fußballer in roten Trikots tanzen.
Dann kommt Joachim Löw. Langsam geht er auf Lehmann zu, der jetzt am Pfosten
lehnt, den Blick immer noch starr. Löw gibt Lehmann die Hand, umarmt ihn, und
dann stehen sie kurz nebeneinander, schauen auf die jubelnden Spanier und die
deutschen Spieler, die auf dem Boden liegen oder sitzen. Bastian Schweinsteiger.
Miroslav Klose. Per Mertesacker.
Lehmann und Löw nehmen in diesem Moment Abschied von einem Traum. Und
vielleicht auch ein bisschen von sich.
"Ich habe ihm zu
seiner Leistung gratuliert", sagt Löw später, "und Danke gesagt für alles, was
er getan hat." Es sind Worte eines nahenden Abschieds, auch wenn Lehmann später
sagt, dass er jetzt nichts sagen werde zum möglichen Ende seiner DFB-Karriere.
Stattdessen berichtet
der Torwart von seiner Enttäuschung und von Gedanken darüber, ob man vielleicht
etwas besser hätte machen können. "Aber der Konjunktiv ist der Feind des
Verlierers. Hätte, hätte, hätte", sagt Lehmann dann.
Es ist faszinierend, wie realistisch und analytisch dieser 38-Jährige nach
diesem Spiel blieb, nach diesen 90 Minuten, die eigentlich seine Karriere krönen
sollten. Aber vielleicht wusste Lehmann, dass diese 0:1 (0:1)-Niederlage einfach
zu deutlich war, zu klar und entwaffnend, dass jede Flucht in einen Konjunktiv
unpassend gewirkt hätte. Und lächerlich.
Spanien ist ein verdienter Europameister. Spanien verlor kein Spiel bei
dieser EM. Es stellte den Torschützenkönig (David Villa, vier Treffer),
kassierte in sechs Spielen nur drei Gegentore (ab dem Viertelfinale kein
einziges mehr) und schoss selbst zwölf. Spanien gewann beide Partien gegen
brillante Russen, ein Elfmeterschießen gegen Italien, diese Katze mit den sieben
Leben. Und Spanien besiegte Deutschland, die Turniermannschaft mit der
respekteinflößenden Vergangenheit. Man kann nicht viel mehr leisten bei einer
Europameisterschaft.
Man kann auch nicht viel besser spielen.
Quelle: Spiegel
Online
Der
Konjunktiv ist der Feind des Verlierers
Jens
Lehmann im Interview nach dem Finale
28. Juni 2008 - Jens
Lehmann - Nicht immer mitreißend aber mental stark
Am Ende war es auch ein langer, schwerer Weg für Jens Lehmann.
Voller Zweifel von außen, kleiner Rückschläge und schöner Momente,
einiges hatte da auf ihn eingewirkt. Wie ein Fußballweiser wirkte der
deutsche Torwart, als er nach dem Triumph im Halbfinale über die Türken
seine Meinung abgab zu den Erlebnissen der zurückliegenden neunzig
Minuten. Mit stoischer Ruhe begegnete er in den Katakomben des Baseler
Stadions der Aufregung um ihn herum. Geduldig in der Hand hielt er auf
einem Pappteller eine Portion Spaghetti mit Tomatensauce.
„Im Fußball gleicht sich alles aus. Klassespieler kommen immer
schnell über Enttäuschungen hinweg.“ Eigentlich wollte Lehmann damit
der turbulenten Schlussphase im Spiel des jungen Kollegen Philipp Lahm
Rechnung zollen, ihn loben für die Kehrtwende, als dem kleinen Münchner
nur Minuten nach dem schweren Abwehrpatzer an der Torauslinie noch der
entscheidende Treffer in diesem kuriosen Halbfinale gelungen war. Ähnliche
Worte würde der deutsche Keeper sicher auch über sich sagen. Ist
dieses für ihn vielleicht letzte große Turnier seiner Karriere doch
auch eine nervenaufreibende Kurvenfahrt gewesen - mit einer wunderbaren
Wendung. Die finale Etappe steht am kommenden Sonntag bevor.
Mit provokanter Pose hatte sich Lehmann vor dem Turnier noch
aufgebaut, als er die Kritik an seinen Darbietungen im Tor und den
Wechsel zurück in die Bundesliga zum VfB Stuttgart kommentieren sollte.
Eine ganze Saison lang war er in seinem Verein Arsenal London nur
Reservemann gewesen. „Wir Deutsche machen uns gern Sorgen. Wenn nicht,
würde uns etwas fehlen“, raunzte er während einer der ersten live im
Fernsehen übertragenen Pressekonferenzen aus dem Mannschaftsquartier im
Tessin.
Nach dem Sieg am Mittwoch zeigte der Torwart-Dino sich ruhig und
zufrieden. Mit Schlauheit vermied Lehmann, zu tief in die Materie
hineinzugehen, hätte sich doch auch im Türken-Spiel die eine oder
andere Unsicherheit in seinem Spiel feststellen lassen können. Bei
beiden Gegentreffern sah der Torwart nämlich nicht besonders glücklich
aus.
Keine dicken Fehler, die zu größerer Kritik Anlass geben müssten,
aber eben nicht die souveränste Vorstellung eines selbsternannten
Alpha-Tieres. Der Bundestrainer wollte nach dem großen Schritt ins
Finale des Turniers keine individuelle Fehleranalyse betreiben. „Ich
rede heute nicht über einzelne Spieler und deren Leistung“, sagte
Joachim Löw. Das glorreiche Endergebnis des Spiels richtete den Blick
logischerweise mehr auf die positiven Dinge des Abends. „Manchmal
reicht es, nur ein bisschen besser zu sein als der Gegner“, sagte
Lehmann.
Seine kühle Kalkulationsrechnung ist bislang bei dieser EM für
Lehmann aufgegangen. Im Viertelfinale gegen Portugal zeigte er sich
einmal als großartiger Rückhalt auf altem Weltklasseniveau, vorher und
nachher passte er sich eher den wechselhaften Formkurven seiner
Mitspieler an, allerdings ohne Konsequenz für die sportliche
Zielsetzung der Mannschaft, weit kommen zu wollen in diesem Turnier.
Immer wieder flammte die Kritik am 38 Jahre alten Torwart auf. Manch
einer fühlte sich bestätigt in seiner Annahme, die fehlende
Spielpraxis hätte Lehmann die alte Sicherheit genommen. Der Torwart
selbst sieht diese Gegenredner wohl eher als Erbsenzähler. Ihn
interessierte in seiner Verfassung nur das jeweilige Endergebnis,
welches die gesamte Mannschaft einfuhr.
Und das kann sich bekanntermaßen sehen lassen. „Hier hat sich
wieder der Mythos der Deutschen gebildet, aus dem Nichts heraus etwas zu
machen“, so Lehmann. Er spielte damit natürlich an auf das oft in der
Fußballwelt bemühte Image der Turniermannschaft, die sich von Rückschlägen
stets berappelt und in den verrücktesten Situationen vor allem nicht
das innere Gleichgewicht verliert.
Der Torwart Lehmann des Jahres 2008 verkörpert dieses Bild des
deutschen Fußballs von allen Spielern wohl derzeit am prägnantesten -
nicht immer mitreißend auf dem Platz, aber dafür mental stark in allen
Lagen.
Bevor Lehmann mit seinem abgekühlten Spaghetti-Teller in die Nacht
verschwand, wies er noch lächelnd darauf hin, dass er sowieso nicht mit
einem anderen Ergebnis als diesem gerechnet hätte. „Mit fast jeder
Mannschaft, in der ich gespielt habe, konnte ich ein europäisches
Pokalfinale erreichen.“ Und faktisch hat er recht: Mit Arsenal London
erreichte er 2006 das Endspiel in der Champions League, mit Borussia
Dortmund 2002 das im Uefa-Cup. Vor genau elf Jahren gewann er sogar den
Uefa-Pokal mit Schalke 04. Eben ein echter „Euro-Fighter“. Doch von
Leichtigkeit waren Lehmanns Kämpfe nie geprägt - auch der jüngste
nicht.
Quelle: FAZ,
Michael Ashelm
26. Juni 2008 - Jens Lehmann im Interview: "Wir waren die
besseren Türken"
Basel - Jens Lehmann bahnte sich kurz
vor Mitternacht seinen Weg in Richtung des Mannschaftsbusses.
Mit
einem Lächeln im Gesicht, der Sporttasche über der Schulter und einem
Teller Spaghetti in der Hand. Die Kohlenhydratspeicher müssen eben auch
oder gerade nach Nervenschlachten aufgefüllt werden. Der
DFB-Keeper hatte einen bewegten Abend erlebt mit der deutschen
Nationalmannschaft im EM-Halbfinale gegen die Türkei. Schwach
gespielt, einen Rückstand umgebogen, vier Minuten vor Schluss den
Ausgleich durch die "Comeback-Könige" hingenommen und in der
Schlussminute den Siegtreffer erzielt - so könnte man das 3:2-Drama von
Basel in einem Satz zusammenfassen. Am Ende dieses Abends steht der erste
deutsche Finaleinzug bei einem großen Turnier seit der WM 2002. Am
Sonntag geht es in Wien gegen Spanien oder Russland.
Im Interview
spricht Lehmann über die Gründe des Erfolges, die Last der Favoritenbürde
und die kommende Aufgabe.
Frage:
Herr Lehmann, wie haben sie die letzte Spielminute erlebt?
Jens
Lehmann: Am liebsten wäre ich mit nach vorne gelaufen. Aber nach den
Erfahrungen mit den Türken bin ich dann doch lieber hinten geblieben und
habe zur Vorsicht gemahnt.
Frage:
Es gab große Probleme, nicht nur in der Deckung. Woran lag das?
Lehmann:
Alle Mannschaften, die jetzt sechs Tage frei hatten, haben aufgrund des
Rhythmus Schwierigkeiten gehabt. Man hat gemerkt, dass es sehr schwer war,
ins Spiel zu kommen. Schon nach fünf Minuten wussten wir, dass es ein
unheimlich schwieriges Spiel wird. Das Tor von Schweini war Gold wert, das
hat uns zurück ins Spiel gebracht.
Frage:
Es fiel aus dem Nichts, oder?
Lehmann:
Daraus bildet sich wieder der Mythos der Deutschen, die aus nichts etwas
machen.
Frage:
Kann das im Finale der entscheidende Faktor sein, gerade wo Sie heute
Schwierigkeiten hatten, das Spiel gewinnen zu müssen?
Lehmann:
Favoriten sind wir jetzt jedenfalls nicht mehr. Wir werden uns das andere
Halbfinale anschauen und hoffen, dass es über 120 Minuten geht. Dann
sehen wir weiter.
Frage:
War es gegen die Türkei ein Problem, dass Sie die Favoritenrolle inne
hatten?
Lehmann:
Es ist immer unheimlich schwierig zu sagen, warum man nicht so ins Spiel
kommt. Diese sechs Tage waren anscheinend wirklich zu lang. Wir waren aber
heute die besseren Türken, die vielleicht selber nicht mehr damit
gerechnet haben, dass wir noch einmal zurück kommen.
Frage:
Was hat die Türken so stark gemacht?
Lehmann:
Eine unheimlich große Laufbereitschaft, außerdem sind sie sehr
ballsicher. Sie sind einfach schwierig zu spielen.
Frage:
Ist Philipp Lahm zu Recht „Man of the match“ geworden?
Lehmann:
Die Mannschaft ist wichtig. Philipp hat aber mit seinem Tor das Highlight
gesetzt.
Frage:
Ist es typisch für ihn, dass er vor dem 2:2 den entscheidenden Zweikampf
verliert, aber dann im Gegenzug das Siegtor macht?
Lehmann:
Im Fußball gleicht sich alles aus. Klassespieler kommen schnell über
Enttäuschungen hinweg.
Frage:
Im Finale wartet wieder eine spielstärkere Mannschaft. Liegt Ihnen das?
Lehmann:
Wir hoffen es. Wir haben alle einen großen Glauben, das ist schon einmal
wichtig.
Quelle: sport1.de
25. Juni 2008 - Die Party geht weiter
Der
Sieg stand auf der Kippe - aber die Party geht weiter. Mit einem
Last-Minute-Tor wurde Philipp Lahm zum Matchwinner für Deutschland im
EM-Halbfinale gegen die Türkei.
Die
deutsche Fußball-Nationalmannschaft steht auf ihrer "Bergtour
2008" kurz vor dem Gipfel: Nach einer glanzlosen Vorstellung im
EM-Halbfinale schoss der Münchner Philipp Lahm die favorisierte
Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw mit einem Last-Minute-Tor zu
einem 3:2 gegen die Türkei.
Die
schwarz-rot-goldene Party geht damit weiter: Am Sonntag (29.6.) in
Wien greift die DFB-Auswahl gegen Russland oder Spanien nach ihrem
vierten EM-Titel und zugleich nach dem ersten Triumph bei einem großen
Turnier seit zwölf Jahren - 1996 war Deutschland in England
Europameister geworden.
Vor
39.000 Zuschauern im Baseler St. Jakob-Park, darunter Bundeskanzlerin
Angela Merkel und der türkische Staatspräsident Abdullah Gül, sah
es zunächst nicht unbedingt nach einem Sieg für die sehr passive
deutsche Mannschaft aus. Die ersatzgeschwächten Türken trumpften überraschend
stark auf und kamen zu zahlreichen guten Chancen gegen eine schwache
deutsche Verteidigung. Die türkische Führung in der 22. Minute durch
Ugur war völlig verdient.
Mit
der ersten gelungenen Kombination erzielte Schweinsteiger vier Minuten
nach der türkischen Führung nach Vorlage von Podolski das 1:1. Ein
Weckruf war dies aber nicht. Erschreckend unsortiert wirkte vor allem
die deutsche Verteidigung. Die Hereinnahme von Frings für den
verletzten Rolfes sorgte für etwas mehr Stabilität. Insgesamt aber
wurde das Spiel der deutschen Auswahl nur unwesentlich druckvoller.
Licht
und Schatten zeigte der kleine Bayern-Verteidiger Lahm. Es war seine
Flanke, die seinem Vereinskollegen Klose per Kopfball das 2:1 (79.
Minute) ermöglichte - wobei allerdings der türkische Torhüter Rüstü
mit einem Griff ins Leere kräftig mithalf. Ein Fehler von Lahm, der
größte Probleme gegen den überragenden Hamit Altintop hatte,
verhalf die Comeback-Könige aus der Türkei zum 2:2 durch Semih (86.)
- ehe der kleine Linksverteidiger mit einem beherzten Schuss das 3:2
erzielte und damit zum Matchwinner avancierte.
Deutschland
hatte letztmals 1996 ein EM-Endspiel erreicht. Zuvor stand die DFB-Elf
1972, 1976, 1980, und 1992 im Endspiel der Europameisterschaft.
Seit dem Erfolg gegen Portugal sind die
Negativ-Schlagzeilen den positiven gewichen. «Ich könnte mir eine
gewisse Arroganz leisten», kommentierte Lehmann im ARD Interview.
Vorausschauend auf das Halbfinale tritt er
auch als Mahner auf. «Man darf keine Augenwischerei betreiben. So toll
war der Sieg nicht. Wir haben eklatante Fehler im Aufbauspiel gemacht»,
lautete Lehmanns Fazit aus dem hochgelobten Portugal-Spiel.
Relaxen
bevor es wieder ernst wird ...
24. Juni 2008 - Jens Lehmann schwor die Mannschaft auf Portugal ein
Um die Aufstellung für das Halbfinale gegen die Türkei will sich
Bundestrainer Joachim Löw erst heute Gedanken machen, um die Einstellung muss
er es ganz offensichtlich gar nicht. "Wir wollen jetzt auch den letzten
Schritt gehen", sagt Abwehrspieler Per Mertesacker. Und dafür hat sich
die Mannschaft vor den entscheidenden Spielen des Turniers an ein Ritual
erinnert, das sie bereits bei der WM 2006 erfolgreich praktiziert hatte.
Es ist der Motivationstrick, der dem Team bei den Heimspielen kurz
vor dem Anpfiff den letzten, vielleicht entscheidenden Kick gegeben hatte.
"Unser Kreis" haben ihn die Spieler genannt.
Der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann und Teampsychologe
Hans-Dieter Hermann hatten vor zwei Jahren die Idee, in der Kabine diesen
Kreis bilden zu lassen. Die Spieler sollten die Arme auf die Schultern des
Nebenmannes legen, so wie bei der Nationalhymne im Stadion. Sie sollten ganz
eng zusammen rücken. Nach dem Frühstück hatte Klinsmann jeweils einen
Spieler ausgewählt, der dann in die Mitte treten musste, um eine vorbereitete
Ansprache zu halten.
Vor dem Eröffnungsspiel der WM gegen Costa Rica war es David Odonkor, gegen
Polen Oliver Kahn, vor der Partie gegen Ekuador übernahm Jens Nowotny den Part,
und zum Viertelfinale gegen Argentinien fiel die Wahl auf Gerald Asamoah.
Bewusst wurden Ersatzspieler ausgewählt, um zu symbolisieren, was am Ende der
jeweiligen Ansprache gemeinsam gerufen wurde: "Wir sind ein Team!"
Deshalb war es auch kein Zufall, dass vor dem Halbfinalspiel Torsten Frings, der
gegen Italien wegen einer Sperre zuschauen musste, in der Mitte stand. Einer
für alle, alle für einen.
Dasselbe Motto hat die Mannschaft vergangenen Donnerstag vor dem
EM-Viertelfinalspiel ausgerufen. Ohne ihren gesperrten Trainer, der vor dem
Anpfiff nicht mit seiner Mannschaft kommunizieren durfte, stellte sich der
Kader in der Kabine des Basler St. Jakob-Parks auf. Zwischen den Sitzbänken
drängelten sie sich aneinander, ganz eng, so wie damals.
Dann trat Jens Lehmann in die Mitte, mit 38 Jahren der Älteste im
Team. Der Torwart sprach von Einsatz, Kampf, Selbstvertrauen und einer großen
Chance. Dann klatschte er in die Hände, die Spieler gingen raus auf den
Platz. Und sie boten gegen Portugal ihre bisher beste Partie bei der EM.
Vor dem Halbfinalspiel gegen die Türkei wollen sie sich am Mittwoch
wieder gemeinsam einschwören, ihren Kreis bilden. Dasselbe Ritual, derselbe
Ort. Nur das Ziel ist dann ein anderes: Mittwoch geht es um mehr. Es geht um
den Einzug in das EM-Finale.
Der
„Man of the match“ im Spiel zwischen Deutschland und Portugal war schnell
gefunden: Bastian Schweinsteiger hatte gegen in der Gruppenphase so spielstarken
Portugiesen sein bestes Spiel seit knapp zwei Jahren bestritten, vielleicht war
es auch das Beste, was der Münchner jemals gezeigt hat. Doch der stille
Gewinner war ein anderer: Jens Lehmann. Der deutsche Nationaltorwart hat harte
Monate hinter sich: Im Verein ausgebootet, das Vertrauen der heimischen Öffentlichkeit
verloren, der Stammplatz bei der EM sogar kurz in Gefahr. Lehmanns Auftritte in
den drei Gruppenspielen waren nicht der Rede wert: Ausgerechnet die ihm eigene
Souveränität schien ihm abhanden gekommen zu sein. Lag es am Alter? An
fehlender Spielpraxis? Gegen Portugal strafte Lehmann alle seine Kritiker Lügen.
Um es vorweg zu nehmen: Er machte ein großartiges Spiel.
Torhüter (auch Lehmann, man mag es nicht glauben) sind sensible Wesen auf dem
Platz. Die erste Aktion im Spiel kann über den weiteren Verlauf der Partie
entscheiden. Lehmann deutete gleich mit seiner ersten Szene an, mit welcher
Urgewalt und gleichzeitiger Eleganz er an diesem Abend in Basel seinen Job
verrichten würde: Eine scharfe Flanke von Simao, dem wendigen Dribbler, pflückte
der Neuzugang des VfB Stuttgarts mit einer Leichtigkeit und Präzision aus der
Luft, als würde der Kirschen aus Nachbars Garten klauen. Lehmanns Präsenz
war bis vor die Bildschirme in Deutschland spürbar. Seine Defensive
(Viererkette plus die neue Doppelsechs Hitzlsperger/Rolfes) funktionierte, weil
Lehmanns Autorität im deutschen Tor in diesen ersten Minuten zurückgekehrt
war. Ganz große Kunst war seine Abwehr gegen den Versuch von Christiano
Ronaldo (40.). Von dessen energetischer Dynamik ließ sich Lehmann nicht beirren
und blieb lange stehen, ehe er mit einem schnellen Reflex den Schuss abwehren
konnte. Zu seinem Pech hatte Nuno Gomes auf diesen Abpraller gelauert, wie es
gute Mittelstürmer nun einmal tun, und an Metzelders Bein vorbei traf der
Portugiese zum 1:2 vor der Pause. Lehmann blieb auch in der zweiten Halbzeit ein
Fixpunkt in der großartig organisierten Defensivformation.
Wer wollte, konnte allein in der Aufstellung eine interessante Beobachtung
machen: Die nationalen Leitwölfe Lehmann-Ballack-Klose bildeten eine markante
Linie in der Mitte des Feldes, verstärkt wurde das erfahrene Trio durch die
Organisationstalente Hitzlsperger und Rolfes. An diesem Fünfer-Stamm
orientierte sich das deutsche Spiel, Sprinter und Dribbler, wie Podolski oder
Schweinsteiger wurde bei ihren Tempoausflügen der Rücken freigehalten, selbst
der bislang nicht unbedingt durch frische Offensivaktionen auffällige Metzelder
stürmte mehrfach abgesichert in die freien Schnittstellen der portugiesischen
Defensive. Selbst an den deutschen Angriffen war Jens Lehmann häufig
beteiligt: Nahezu jeder Abstoß und Abwurf fand einen Gegenspieler, bei Rückpässen
blieb der 37-Jährige cool und beförderte den Ball immer in die sicheren Zonen.
Ganz anders sein Kollege Ricardo. Bei allen drei Turnieren (1xWM, 2xEM)
verursachte der Torhüter von Betis Sevilla nicht ein Gegentor durch einen
individuellen Fehler. Vielmehr ist es diese fehlende Autorität und Souveränität,
die Ricardo nicht zu einem Torsteher qualifiziert, der ein Spiel mitentscheiden
kann. Beim dritten Treffer durch Ballack (61.) offenbarten sich seine Schwächen
in einer Szene: Beim scharf angeschnittenen Freistoß durch Schweinsteiger
machte Ricardo zunächst einen Schritt nach vorne, dann wieder zurück, um sich
schließlich doch noch zu entschließen, die Flanke abzufangen. Sein Versuch:
Ein Witz. Michael Ballack, einer der besten Kopfballspieler der Welt, sagte
Danke und köpfelte zum entscheidenden 3:1 ins Tor.
Beim Spiel gegen Portugal stimmte so viel wie lange nicht. Die Deutschen
waren nicht wiederzuerkennen. Offenbar braucht die deutsche Mannschaft erst unmenschlichen Druck im Turnier, bis sie zu Höchstform aufläuft.
Womöglich war es Einbildung, vielleicht aber sangen die Spieler der deutschen
Fußball-Nationalmannschaft gestern Abend die Hymne doch inbrünstiger als bei den
drei Spielen zuvor. Diese Mannschaft war auf einer Mission; zum ersten Mal seit
2006 schien das Team wieder vom alten Kampfgeist beseelt, von Entschlossenheit
und Siegeswillen. Fans und Spieler vereinten sich im Regen endlich wieder zur
sportiven Deutschland AG gegen die fälschlich zu Favoriten erklärten
Portugiesen. Beim Wunder von Basel stimmte so viel wie lange nicht: Die
Abwehrkette an der Mittellinie stand taktisch brillant, der Zug nach vorn
stimmte, Philipp Lahm war Weltklasse, Jens Lehmann sicher, der unauffällige
Hansi Flick ein souveräner Bundestrainer. Schnell war klar, welcher Superstar
seiner Elf mehr Kraft gab: nicht der ins Affektierte spielende Wunderknabe
Christiano Ronaldo, sondern der holzige Michael Ballack.
Es
scheint, als brauchte die deutsche Elf in diesem Turnier erst
unmenschlichen Druck, bis sie erwachsen spielt. Frings verletzt,
Trainer Löw auf der Tribüne, die Bürde des 3. WM-Platzes, das
K.o.-System – jeder hatte kapiert, dass nun Schluss war mit Eitelkeit
und Gelusche.
Bastian Schweinsteiger war der beste
Beweis dafür, dass Fußball auf Weltniveau kaum mehr von körperlichen
Fähigkeiten bestimmt wird. Fit, schnell, ballgewandt sind sie alle. Es
ist die Psyche, die die letzten Prozente Energie frei setzt. Nur wer
vor Eifer brennt, der rennt schneller, als er kann. Schweinsteiger
hatte das Match zur persönlichen Bewährungsprobe erklärt und sein
Versprechen gehalten.
Wenn die Mannschaft ihren Spirit bewahrt, ist alles möglich: sogar ein
Finale gegen Italien.
19. Juni 2008 - Conny Lehmann - Es ist alles in Ordnung
Notarzt auf der Tribüne
- Lehmanns Frau kippte um
Das Spiel Deutschland gegen Portugall war in
den letzten Minuten kaum auszuhalten. Conney Lehmann brach unter der Spannung
sogar zusammen.
Conny Lehmann, die Ehefrau von Nationaltorhüter Jens Lehmann, hat nach dem
EM-Viertelfinale der deutschen Fußball- Nationalmannschaft gegen Portugal (3:2)
am Donnerstag in Basel auf der Tribüne einen Schwächeanfall erlitten.
Während nach dem Schlusspfiff die deutsche Mannschaft auf dem Rasen feierte,
alarmierte Klara Bierhoff ihren Mann Oliver: Conny Lehmann liege quer auf den
Sitzen. Der Teammanager beorderte sofort die beiden DFB-Ärzte Josef Schmitt und
Tim Meyer in den Ehrengastbereich. Er informiert auch den Torhüter, 38, der
sofort zu seiner Frau eilte.
Nach 15 Minuten konnte die 35-Jährige wieder aufstehen, verließ kreidebleich
die Tribüne. Die beiden Mediziner gaben schon bald Entwarnung. „Es ist alles in
Ordnung“, sagte DFB-Mediendirektor Harald Stenger nach dem Spiel zum
Gesundheitszustand von Conny Lehmann.
In der Pressekonferenz nach dem Einzug ins
Viertelfinale warnt Jens Lehmann davor, nur auf Christiano Ronaldo zu schauen -
und hat vielleicht für alle Fälle einen neuen Spickzettel dabei ...
Was ist doch diskutiert worden über die deutsche Abwehr
in den letzten Wochen! Metzelder und Mertesacker, zwei Stützen der
Nationalmannschaft bei der WM 2006, wackelten wie Keeper Lehmann in den
letzten Testspielen und auch gegen Polen sowie Kroatien in der
EM-Vorrunde. Heute überzeugte vor allem die Defensive.
Kein Flatterball konnte Lehmann überwinden,
kein Österreicher Metzelder düpieren, und Mertesacker war der Kopf der
deutschen Abwehr. Zweikampfstark wie in besten Tagen löste er
beispielsweise in der 47. Minute eine knifflige Situation gegen Hoffer
souverän. Auch Metzelder zeigte eine klasse Leistung und hatte kaum
Probleme mit den kleinen, schnellen Angreifern der Österreicher.
Auch Jens Lehmann war viel kritisiert
worden in den letzten Wochen, einige forderten sogar Adler im deutschen
Gehäuse. Doch mit einer klasse Leistung bestätigte er gegen Österreich
seinen Status als Nummer 1. Er strahlte viel Ruhe aus und gab der
Mannschaft Sicherheit. Seine Klasse zeigte er gegen Hoffer in der 20.
Minute, als er diesem den Ball in höchster Not vom Fuß nahm.
Wie bei der WM 2006 scheint das Dreieck
aus Torwart Lehmann und den Innenverteidigern Metzelder und Mertesacker
wieder zusammenzuwachsen. Ein gutes Zeichen. Denn dass die deutsche
Mannschaft mit der portugiesischen im Viertelfinale spielerisch kaum
mithalten können wird, scheint fraglos. Es muss also zuerst die Abwehr
stehen. Und die ist auf einem guten Weg.
Unmittelbar nach dem Spiel ging Michael
Ballack von Spieler zu Spieler und nahm sich jeden Einzelnen für ein
paar Sekunden und ein paar warme Worte zur Brust. Keine bösen Worte,
vielmehr aufbauende. Dabei tat die Niederlage gegen Kroatien weh, sehr
sogar. Das 1:2 spiegelte nicht den wahren Spielverlauf wider. Im
Gegenteil. Die Kroaten waren stärker als es das eine mehr erzielte Tor
auszusagen vermochte.
Durch das 1:1 der Österreicher gegen Polen
kommt es nun am kommenden Montag im Wiener Ernst-Happel-Stadion zum
echten Endspiel um den Einzug ins Viertelfinale gegen den Co-Gastgeber.
Eine Konstellation, die man im DFB-Tross unbedingt vermeiden wollte.
"Wir haben heute nicht mit vollem Herzen gespielt, waren zudem zu
mutlos. Jetzt stehen wir gegen Österreich unter Druck, aber damit müssen
wir zurechtkommen", fasste Torhüter Jens Lehmann den ernüchternden Abend
von Klagenfurt treffend zusammen.
War es nun also ein Warnschuss zur rechten
Zeit oder sogar mehr? Schließlich droht gegen den kleinen Bruder das
Undenkbare - das vorzeitige Aus. Die meisten Spieler und auch Trainer
Joachim Löw wollten noch nicht auf das Spiel in Wien vorausschauen,
sondern die Niederlage gegen die bärenstarken Kroaten einordnen.
"Ich habe am Anfang schon festgestellt,
dass wir nicht dieses Tempo hatten und die Konsequenz in den
Zweikämpfen. In vielen Situationen war es so, dass wir immer
hinterhergelaufen sind und geistig nicht so flexibel waren", befand Löw,
der nicht sauer wirkte, aber doch leicht irritiert. "Wir haben einige
dumme Fouls gemacht. Im Spiel ohne Ball hatten wir keine Bewegung, die
flachen Pässe in die Spitze haben wir nicht spielen können. Wir müssen
in Ruhe das Spiel durchgehen."
Fast alles, was noch im ersten Spiel gegen
Polen vorzüglich geklappt hatte, war gegen die Kroaten fast gänzlich
verschwunden. "Vor allem in der ersten Halbzeit haben wir läuferisch zu
wenig gemacht. Wenn jeder einen Schritt weniger macht, dann fällt das
Spiel halt so aus. Zudem waren das Mittelfeld und der Sturm zu weit
auseinander", erkannte Philipp Lahm die Defizite im deutschen Spiel.
Ohne den nötigen Biss und die nötige
Leidenschaft trat Deutschland auf und wurde von den aggressiven Kroaten
bitter bestraft. "Die waren bissiger und kompakter im Mittelfeld. Wir
haben uns zu wenig bewegt, sind nicht in die Räume gegangen und haben
uns keine Torchancen herausgespielt", musste Ballack zugeben.
Vor allem das gegen Polen noch teilweise
bestechende Offensivspiel war in Klagenfurt nur ein laues Lüftchen. Die
beiden Spitzen Miroslav Klose und Mario Gomez waren komplett abgemeldet,
das erneute Experiment mit Lukas Podolski im linken Mittelfeld ging
diesmal voll daneben. "Wir haben uns zu wenig bewegt und sind nicht als
Mannschaft aufgetreten. Jeder wollte sein Ding machen. Dann kommt so ein
Spiel raus. Wir müssen uns gegen Österreich um 60, 70 Prozent steigern",
meinte Klose.
Gegen den Erzfeind benötigt Deutschland nun
zumindest einen Punkt, um als Gruppenzweiter ins Viertelfinale
einzuziehen. Dort würde dann Mitfavorit Portugal warten, das Platz eins
in Gruppe A sicher hat.
Aber erstmal hat das DFB-Team eine
Niederlage zu verkraften und Österreich vor der Brust. Michael Ballack
begann noch auf dem Feld mit der Aufarbeitung. Die wird noch einige
Stunden und Tage dauern. Dafür war der Auftritt gegen Kroatien einfach
zu enttäuschend.
Der EM-Auftakt für
das deutsche Team hätte besser kaum laufen können. Vor allem zwei Erkenntnisse
auf dem Weg zum Titel machen Hoffung: Die Sorgenkinder sind
keine Sorgenkinder mehr. Außerdem hat
die Mannschaft gezeigt, dass sie nicht allein von der Tagesform ihres Kapitäns
abhängig ist.
Wo soll man anfangen? Wo soll man aufhören?
Vielleicht bei Lukas Podolski. Der WM-Held von vor zwei Jahren verdient
natürlich besondere Erwähnung. Auch und wegen seiner beiden Tore. Kein
Zufall, dass es ausgerechnet der in letzter Sekunde für Bastian
Schweinsteiger aus taktischen Gründen in die Startformation gerückte
Podolski war, der das 1:0 markierte. Der Bayern-Stürmer, der beim
deutschen Meister in der abgelaufenen Saison viel zu oft ein tristes
Bankdrückerdasein fristete, ging stets weite Wege, erkämpfte sich die
Bälle in der eigenen Hälfte und war omnipräsent - wie sonst eben nur
Michael Ballack.
Was sich nach dem Tor tief im Inneren des in Polen geborenen Stürmers
abgespielt haben muss, davon konnte man sich beim Blick auf die
Videoleinwand überzeugen: Der Mann, der als Zweijähriger Polen in
Richtung Deutschland verließ, hatte Tränen in den Augen. Die Emotionen
übermannten den von den polnischen Fans noch dazu bei jeder
Ballberührung gnadenlos ausgepfiffenen Podolski.
Irgendwie passte es zu dieser rührig anmutenden Story, dass es
ausgerechnet Podolski vorbehalten war, den einzig und allein nach der
Pause kurz aufmuckenden Polen mit seinem zweiten Treffer den Todesstoß
zu versetzen. Und wie er das tat! Eine Traumkombination über den
eingewechselten Schweinsteiger schloss der Angreifer - im deutschen
EM-Opener gar nicht im Angriff aufgestellt - mit einem staubtrockenen
Schuss in den Torgiebel ab. Über eine derartige Präzision und Technik im
Abschluss verfügen in Europa nur eine handvoll Spieler. Podolski gehört
definitiv dazu.
Es gibt keine Achillesferse
Lehmann-Metzelder mehr
Zu
den Sorgenkindern im Kader von Trainer Joachim Löw gehörte der
Bayern-Profi im Vorfeld dieser kontinentalen Titelkämpfe sicher nicht,
umso mehr dafür aber zwei Spieler, die Schlüsselpositionen besetzen,
Torwart Jens Lehmann und Innenverteidiger Christoph Metzelder. Keiner,
nicht mal die beiden Akteure selbst, wussten wohl, wo genau sie vor der
Partie gegen Polen leistungsmäßig stehen würden. Jetzt wissen es alle.
Es gibt keine Achillesverse Lehmann-Metzelder mehr.
Lehmann hielt fast so zuverlässig wie ein
Schweizer Uhrwerk, bis auf eine kleine Unsicherheit gleich zu Beginn
unterlief dem nach seiner schwachen Vorbereitung schwer unter Beschuss
geratenen Neu-Stuttgarter kein einziger Fehler. Für den weiteren Verlauf
der Turniers ein ungemein beruhigender Fakt. Genauso wie der ganz klar
zu erkennende Formanstieg Metzelders. Es kommt schon einer Art
Wunderheilung gleich, die Löws größtes Sorgenkind hinter sich hat. Keine
Spur mehr von Antrittsschwäche oder fehlender Spritzigkeit. Da war er
wieder, der alte Christoph Metzelder aus den beiden WM-Turnieren 2002
und 2006.
Lahm, Frings, Fritz, Mertesacker, Jansen, Ballack, Gomez, Klose,
Schweinsteiger, Hitzlsperger, ja selbst der kurz vor Ende eingewechselte
Kuranyi: der Vollständigkeit halber müssen auch alle anderen
eingesetzten Spieler dieses Auftaktmatches genannt werden. Weil sie dazu
beitrugen, dass es auch ein Sieg des Kollektivs wurde. Jeder rannte für
den anderen, grätschte wenn nötig, und das alles ohne das spielerische
Element jemals aus den Augen zu verlieren. (...)
Die wichtigste Erkenntnis aus dem Spiel
gegen Polen scheint also diese: Die DFB-Elf braucht ihren Kopf, aber sie
funktioniert auch ohne dessen Geistesblitze - dank Podolski, Lehmann,
Metzelder und Co. Das macht Hoffung auf mehr.
Besser hätte das Spiel für Jens Lehmann
gar nicht beginnen können. Der Torhüter der deutschen Fußball-Nationalmannschaft
benötigt jede erdenkliche Spielpraxis. Gegen Serbien waren gerade 15
Sekunden absolviert, als Lehmann der erste Rückpass ereilte. Zuletzt
hatte er die Bälle bei solchen Gelegenheiten durch die Gegend gestreut
wie eine leckende Gießkanne, diesmal fand der Ball gleich den richtigen
Adressaten. Der erste Eindruck aber täuschte. Lehmann verlebte einen
ereignisarmen Abend. 18 Ballkontakte hatte er, davon zwei mit der Hand
– nach Kopfballrückgaben von Christoph Metzelder und Michael Ballack.
Trotzdem waren die Serben ein idealer Gegner für den letzten Test vor
der Europameisterschaft. Bei ihrem ersten von drei Angriffen gingen sie
1:0 in Führung, mit einer Kraftanstrengung in der letzten Viertelstunde
aber drehten die Deutschen das Spiel. Durch Tore des eingewechselten
Oliver Neuville und des überragenden Ballack gewannen sie 2:1 (0:1).
Die Deutschen begannen gut, sie verteidigten sehr hoch, waren stark in
der Balleroberung und -behauptung und spielten besser organisiert als
gegen Weißrussland; nur die letzte Entschlossenheit im Spiel nach vorne
fehlte, der unbedingte Wille zum vertikalen Pass. Trotzdem hatten die
Gastgeber die erste gute Chance. Nach 15 Minuten wehrte Serbiens
Verteidiger Nemanja Vidic einen Flugkopfball von Michael Ballack mit dem
Fuß ab, nachdem Gomez von der Torauslinie geflankt hatte. Der
Stuttgarter war auch am schönsten Angriff der Deutschen beteiligt. Mit
vier Ballkontakten spielten sie sich von der Mittellinie vor das
serbische Tor, nach einer flachen Hereingabe von Marcell Jansen aber
verfehlte Gomez den Ball.
Zu diesem Zeitpunkt führten die Serben etwas überraschend mit 1:0. Mit
einem einzigen Pass in die
Schnittstelle der Viererkette wurde die deutsche Abwehr überwunden.
Christoph Metzelder ließ Bosko Jankovic in seinem Rücken davonlaufen,
gegen den präzisen Abschluss hatte Jens Lehmann keine Abwehrchance.
„Das war sicher mein Fehler“, sagte Metzelder, der trotz seines Rückstands
zuversichtlich ist: „Ich war vor allen Turnieren umstritten und im
Turnier eine feste Größe. Die Tendenz stimmt.“
Jankovic vergab nach der Pause die beste Gelegenheit zum zweiten Tor für
die Serben, als er den Ball aus kurzer Distanz an die Latte wuchtete.
Trotzdem fand Bundestrainer Löw das Defensivverhalten der Mannschaft in
Ansätzen gut, fühlte sich beim 0:1 aber an das erste Gegentor gegen
Costa Rica bei der WM 2006 erinnert.
Und wie hat
der Bundestrainer die Leistung von Jens Lehmann gesehen?
Löw:
"Er hat bei den Rückpässen oder der Spielauslösung konsequenter
agiert als gegen Weißrussland. Aber er musste eigentlich keinen Ball
halten. Die erste Chance der Serben war ein Tor, die zweite ging an die
Latte. Aber die Ausstrahlung war eigentlich gut."
Und Michael
Ballack fügt hinzu: "Die Diskussion um Jens ist in der Mannschaft
kein Thema. Wir vertrauen ihm und halten zusammen".
28. Mai 2008 - "Ich bin doch an den meisten Toren mitschuldig"
Das
mäßige 2:2 gegen Weißrussland konnte bei der Nationalelf niemanden
wirklich aus der Ruhe bringen. Joachim Löw zeigte Verständnis für den
Auftritt, Michael Ballack verspürte gar EM-Vorfreude - und Jens
Lehmann kündigte gezielte Sonderschichten an.
Weder die Zahnschmerzen, noch der
Termindruck, den die bald nach Spielende angesetzte Rückreise
nach Mallorca verursachte, konnten Joachim Löw an diesem Abend
in Kaiserslautern die Laune verderben. Nicht einmal der
durchwachsene Auftritt seiner Mannschaft im Test gegen
Weißrussland ließ beim Fußball-Bundestrainer Zeichen der
Anspannung erkennen.
In seiner Kritik an der
Darbietung der DFB-Elf ließ Löw Milde walten, auch wenn er "in
allen Bereichen Verbesserungsmöglichkeiten" ausmachte. Das
nicht zufrieden stellende Endergebnis sah er auch dadurch
begründet, dass die Konzentration im zweiten Durchgang "nicht
mehr so vorhanden war, wie man es sich vorstellt." Nicht
optimal, aber nachvollziehbar nach den intensiven
Trainingstagen: "In der zweiten Halbzeit haben einige mit
einem Rucksack auf dem Rücken gespielt."
Alles also kein Anlass
zur tieferen Besorgnis für den DFB-Coach - offenbar
auch nicht die Leistung von Jens Lehmann, die bei
einigen Beobachtern für Irritationen sorgte. Der
Nationaltorwart zeigte bei zwei brillanten Paraden
seine Klasse, leistete sich aber auch einige
unglückliche Situationen.Nicht nur beim
Ausgleichstreffer von Doppeltorschütze Vitali Bulyga
kurz vor Schluss sah der Keeper schlecht aus: Der Ball
schlug mittig ein. "Ich bin doch an den meisten Toren
mitschuldig", kommentierte Lehmann nicht ohne
süffisanten Unterton. "Das ist das Los eines
Torhüters."
Doch schon lange vor dem
vermeintlichen Patzer beim 2:2 hatte die deutsche Nummer eins
die gewohnte Sicherheit vermissen lassen. Am augenfälligsten
in der 27. Minute: Die unorthodoxe Rettungstat, als er Anton
Putsilos 25-Meter-Schuss nicht festhielt, begründete Lehmann
mit dem neuen Ball, den er erst seit einer Woche kenne - und
über dessen Flugeigenschaften sich schon einige Torhüter
beklagt haben. "Ich werde in den nächsten Tagen viel
Torschusstraining absolvieren", so das Versprechen des
Nationaltorhüters, der zu seiner künftigen
Vereinszugehörigkeit bloß lächelnd sagte: "Man wird sehen."
(...)
24. Mai 2008 - Viele Argumente sprechen für Stuttgart
Nationaltorhüter
Jens Lehmann spricht anlässlich des DFB-Medientages mit der WELT über
seine Zukunft, Ballacks Gefühlswelt und flatternde Bälle.
Mit 38 Jahren ist Jens Lehmann der älteste Nationalspieler im
aktuellen EM-Kader. Obwohl der Torhüter vergangene Saison für
Arsenal London, das er zum Saisonende verlassen hat, nur selten in der
Startelf stand, ist er für Bundestrainer Joachim Löw die Nummer
eins.
Die
Welt: Wie ist der Stand bei der Suche nach einem neuen Job?
Jens
Lehmann:Bei mir ist der Stand der Dinge so, dass ich nach der
Europameisterschaft aufhöre, weil ich keinen Verein habe.
Jetzt
mal im Ernst ...
Lehmann:
Es gibt Angebote und ich unterhalte mich mit Leuten, aber jetzt kommt
erst die EM. Was danach ist, weiß ich im Moment wirklich nicht.
Vielleicht spiele ich ja auch ohne Verein weiter in der Nationalelf,
geht so was?
Regelmäßige
Spielpraxis in Stuttgart wäre besser. Der VfB hat Interesse an Ihnen.
Was spricht für einen Wechsel?
Lehmann:
Zunächst kenne ich Herrn Staudt
sehr gut, und weiß, dass der Verein seriös geführt wird. Die
Mannschaft kann attraktiven Fußball spielen, folglich haben Sie einen
guten Trainer. Und Manager Heldt muss auch einen guten Job machen. Das
sind alles Argumente, die dafür sprechen.
Klingt,
als sei die Vertragsunterschrift nur noch Formsache.
Lehmann:
Ich halte es immer so,
dass ich aus Respekt den Verein entscheiden lasse, wann er über
Gespräche reden möchte.
Sie
bauen am Starnberger See ein Haus, nach Stuttgart könnten Sie
pendeln.
Lehmann:
Als ich nach London gegangen bin,
waren die Kinder noch klein. Ich wusste damals, es ist gut, wenn wir
in ein anderes Land gehen. Aber jetzt ist es schwieriger. Man kann den
Kindern nicht immer zumuten, nur herum zu reisen. Vom Wohnsitz zum
Arbeitgeber zu fahren ist die wahrscheinlichste Variante.
Muss
der Verein die Perspektive bieten, nach der Karriere weiter arbeiten
zu können?
Lehmann:
Überhaupt nicht. Ich möchte
dann ein bisschen Abstand haben. Ich habe früher ein Studium begonnen
und habe eventuell vor, es aufzufrischen. Den Trainerschein könnte
ich auch machen. Aber nach wie vor bin ich fit bin und habe Lust, Fußball
zu spielen.
Sie
haben vor zwei Jahren ein Finale in der Champions League verloren. Können
Sie sich vorstellen, wie sich Michael Ballack nach der Endspielpleite
jetzt fühlt?
Lehmann:
Wenn man schon den Schritt machen
will um los zu laufen und zu jubeln, und dann sieht man seinen Kapitän
an den Pfosten schießen, ist das noch bitterer, als das, was ich
erlebt habe.
Wird
sich dieses Erlebnis negativ auf die EM auswirken?
Lehmann:
Bei mir hat sich das nicht
negativ ausgewirkt. Mich hat es damals motiviert, direkt im Anschluss
an die Enttäuschung ein gutes WM-Turnier zu spielen.
Es
endete im Halbfinale. Wie sind die Chancen bei der
Europameisterschaft?
Lehmann:
Man wird jedes Spiel eine Menge
tun müssen, um es zu seinen Gunsten zu entscheiden. Aber ich glaube,
dass wir zu denen gehören, die gewinnen können.
Mit
Rene Adler sitzt erstmals ihr potenzieller Nachfolger auf der Bank.
Was ist das für ein Gefühl?
Lehmann:
Ich bin für einige ja fast so
etwas wie ein Vater, weil deren Väter so alt sind wie ich. Aber ich
habe es immer so gehalten, dass ich von jedem lernen möchte. Ich kann
bestimmt auch von Rene lernen, darauf bin ich gespannt.
Wird
ihnen ein bisschen bange, wenn Sie die Innenverteidigung sehen.
Christoph Metzelder hat kaum für Real Madrid gespielt.
Lehmann:
Christoph Metzelder ist ein
Spieler, der rechtzeitig zu Turnieren zu bester Form aufläuft. Da
mache ich mir keine Sorgen.
Vor
der WM haben Sie den Ball kritisiert. Wie ist er jetzt?
Lehmann:
Er ist noch schneller geworden
und er flattert. Die Entwicklung ist nicht gut für die Schönheit des
Spiels. Weil der Ball so schnell und unberechenbar fliegt, werden
nicht mehr die Techniker die herausragenden Spieler des Turniers,
sondern die Fernschützen. Ich finde das sehr schade.
20. Mai 2008 - Reif für die Insel - DFB-Tross auf Mallorca angekommen
Keine zehn Minuten war der erste Auftritt
der deutschen Mannschaft auf Mallorca lang: Bei der Ankunft im Teamhotel
nahmen die DFB-Kicker samt Begleitung lieber die Beine in die Hand statt
sich Zeit für die Fans und einen trällernden Barden zu nehmen.
Letztlich
ist nicht klar, woran es lag, dass die Deutschen es so eilig
hatten. Ein kurzer, misstrauischer Blick von Teresa Enke - ihres
Zeichens Gattin von Torhüter Robert Enke - zum Himmel ließ
darauf schließen, dass vielleicht das Wetter Schuld war. Ein
irritierter Blick von Miroslav Klose deutete an, dass ihm
vielleicht das Rahmenprogramm missfiel. Auf jeden Fall
verschwendete die Nationalmannschaft keine Zeit, um die knapp 30
Meter des Weges vom Mannschaftsbus zu ihrem mondänen
Trainingsquartier vor den Toren Palma de Mallorcas zurück zu
legen, wo Joachim Löw seine Jungs in den kommenden zwei Woche
für die bevorstehende Europameisterschaft in Bestform bringen
will.
Dunkle Wolken zogen über dem Landesinneren auf und hielten den
bevorstehenden Regen vermutlich nur deshalb noch einen Moment
zurück, weil sie die Laune der anwesenden Spielerfrauen nicht
schon am Anreisetag verderben wollten. Oder um den
selbsternannten "König von Mallorca" Jürgen Drews nicht wie
einen begossenen Pudel dastehen zu lassen, als er dem deutschen
Team spontan ein Schlager-Ständchen brachte.
Noch
bis Freitag hat der Bundestrainer den Spielerfrauen und Familien
Gastfreundschaft im Fünf-Sterne-Hotel des DFB-Teams eingeräumt.
Eine große deutsche Boulevardzeitung hat 17 mitreisende Frauen
und acht Kinder gezählt. Weniger als ursprünglich erwartet (bei
der WM 2006 hatten fast alle Spieler die Einladung des DFB
angenommen, ihren Anhang mit nach Sardinien zu nehmen), was
jedoch schlichtweg daran liegt, dass noch nicht alle Sprösslinge
der deutschen Spieler Schulferien haben. (...) Joachim Löw
sieht, wie schon sein Freund und Vorgänger Jürgen Klinsmann, die
Spielerfrauen als wichtigen Teil der Vorbereitung auf das von
ihm erwartete "härteste Turnier aller Zeiten" und gönnt seinen
Spielern zumindest in der erste Woche einen gewissen privaten
Freiraum (Löw: "Es wird trotzdem zweimal täglich trainiert.").
Wetter auf Mallorca soll schon ab Mitte der Woche wieder
hervorragend sonnig sein. Und Jürgen Drews hat sich bereits auf
den Nachhauseweg gemacht.
Bis spätestens
Mittwoch, 28. Mai, 12 Uhr, muss dieser Kandidatenkreis auf 23 Akteure
reduziert und offiziell der UEFA gemeldet werden.
Angeführt wird das DFB-Team von Kapitän Michael Ballack. Neben ihm
gehörten weitere 14 der am heutigen Freitag nominierten Nationalspieler
bereits dem deutschen Kader für die WM 2006 an – von Torhüter Jens
Lehmann bis zum WM-Torschützenkönig Miroslav Klose.
Zum
EM-Aufgebot zählen auch zwei Akteure, die bisher noch nie in einem Länderspiel-Kader
standen: der 23 Jahre alte Leverkusener Torhüter Rene Adler und der 19
Jahre alte Marko Marin, der für das Mittelfeld nominiert wurde und in
der vergangenen Woche mit Borussia Mönchengladbach den
Bundesliga-Aufstieg feiern konnte.
Zu den neuen Gesichtern gehören außerdem die Schalker Heiko Westermann
und Jermaine Jones, die beide erstmals beim Länderspiel am 6. Februar
2008 gegen Österreich eingeladen waren und beim 3:0 in Wien als
Einwechselspieler zu ihrem Nationalmannschaftsdebüt kamen.
Ihr erstes Turnier im DFB-Trikot bestreiten darüber hinaus Torwart
Robert Enke von Hannover 96, der gegenüber Timo Hildebrand den Vorzug
erhielt, Abwehrspieler Clemens Fritz von Werder Bremen, die für das
Mittelfeld aufgebotenen Simon Rolfes aus Leverkusen und Piotr Trochowski
vom Hamburger SV sowie der Stuttgarter Mario Gomez und der Kölner
Patrick Helmes im Sturm.